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Transports nucléaires

Parce que le transport des matières radioactives est une activité inutile, absurde et dangereuse, le Réseau "Sortir du nucléaire" se mobilise !


Immer wenn der Castor rollt (Klimaretter.info)

4 novembre 2010 |




Während auf deutscher Seite zehntausende Demonstranten den Castor-Transport erwarten, kämpfen die französischen Atomgegner um Aufmerksamkeit. Dabei hätten gerade die Franzosen genügend Gründe sich gegen die schleichende Kontaminierung ihres Landes zu wehren

Aus Paris Susanne Götze

Freitag um 14.20 soll der "Höllenzug" - wie ihn die französischen Atomgegner nennen - von Valognes in Richtung Gorleben starten. In den Städten Caen, Amiens, Arras, Metz und Strasbourg warten dann erste französische Protestler, um auf den Bahnhöfen friedlich zu demonstrieren : Man wolle Information verteilen, "Lärm machen" und "Reisende auf dem Gefahr aufmerksam zu machen" heißt es vom Seiten des Antiatomnetzwerkes "Sortir du nucléaire". Reichlich milde klingt das, denkt man an den angekündigten "Rekordprotest" in Deutschland.

Die französischen Protestler haben es schwer, denn im Nachbarland schweigt man das Thema Atommüll bis jetzt erfolgreich tot. "Wir verstehen uns in erster Linie als ‚Whistleblower’ – und wollen die Öffentlichkeit auf das Atomproblem aufmerksam machen", erklärt Kampagnenleiterin Charlotte Mijeon. Das ist in Frankreich auch dringend nötig. Denn der Castor ist bis dato nur in Lokalzeitungen und immerhin in einem Blog bei LeMonde-Online ein Thema – doch man muss schon danach suchen, um informiert zu werden.

"Sortir du nucléaire" hat versucht mit einem kleinen Zeichentrickfilm Aufklärung zu machen : Anschaulich wird beschrieben, wie der Zug von La Hague in Nordfrankreich ins Wendland rollt. Dort werden unzählige kleine weiße Männchen gezeigt, die sich auf die Gleise setzen und von der Polizei weggetragen werden. Man könnte fast denken, der Film wolle sagen : "Seht so macht man das ! Das Wendländische Volk lässt sich nicht für blöd verkaufen !".

(video) Dieses Video erreicht in Frankreich erreicht jedoch nicht viele Menschen. Der Castor ist dort kein Thema. Dass in Deutschland ein derartiges Aufsehen gemacht wird, entlockt dem einen oder anderen Franzosen höchstens ein müdes "Ja, das ist eben so deutsche Tradition". Im eigenen Land können sich nur sehr wenige vorstellen, gegen die Atomlobby zu demonstrieren, geschweigedenn sich an Gleise zu ketten. So ist der 2004 von einem Castor überrollte französische Antiatomaktivist Sebastien Briard in Deutschland mittlerweile ein Mythos. In seinem Namen verübte ein gleichnamiges Kommando deutscher Atomgegner nun sogar "Vergeltungsschläge" wie letzte Woche gegen die Berliner S-Bahn.

Dabei ist das Land weit mehr betroffen als Deutschland – und das nicht nur aufgrund seiner 58 Atomkraftwerke. In der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague wird Atommüll aus ganz Europa behandelt. Abgebrannte Brennstäbe werden hier teilweise recycelt – das heißt wiederverwertbare Reststoffe von Uran oder Plutonium werden abgetrennt – und der Rest für die Endlagerung verpackt. La Hague ist zudem wie auch Gorleben ein Atommülllager für französische Atomkraftbetreiber, dass keinen Endlagerstatus genießt – so wie alle Atommülllager in der EU.

Schon seit langem gibt es umfassende Beweise dafür, dass die Region um die Wiederverarbeitungsanlage mit Strahlung kontaminiert ist. Schon Ende der 90er Jahre nahm Greenpeace im Meer Boden- und Wasserproben an entsprechenden Ableitungsrohren der Anlage und stellte dabei fest, dass radioaktive Flüssigabfälle direkt ins Meer geleitet werden – und das legal, da nur das Entsorgen von Atommüllfässern verboten ist. Auch bei die Abluft der Anlage wurde eine immense Überschreitung der Grenzwerte nachgewiesen. Nicht erstaunlich ist also, dass französische Wissenschaftler schon vor über zehn Jahren eine erhöhte Blutkrebsrate bei Kindern und Jugendlichen in der Umgebung nachwiesen. Weitere Enthüllungen um das totgeschwiegene Thema machen 2009 die Journalisten Eric Guéret und Laure Noualhat in ihrem Dokumentarfilm "Albtraum Atommüll".

Im Video des Netzwerkes "Sortir du nucléaire" gibt es am Ende nur eine Lösung : Einfach aufhören diesen Müll zu produzieren – der Ausstieg aus der Atomkraft. Doch damit stehen die Aktivisten in Frankreich noch auf verlorenen Posten. Sie bekommen nicht einmal die Informationen, die ihnen nach dem Transparenzgesetz eigentlich zustehen : So versuchten die Aktivisten wochenlang von dem Betreiber der Anlage (Areva) und der staatlichen Sicherheitsbehörde ASN (l’Autorité de Sûreté Nucléaire) zu erfahren, wie viel Radioaktivität die elf Castorwagons eigentlich enthalten – jedoch ohne Erfolg. Erst über einen niedersächsischen Abgeordneten von den Grünen habe man die genauen Werte erfahren. Nun wissen Greenpeace und "Sortir du nucléaire" auch warum man sich taub stellte : Der 12. Castor ist der "radioaktivste Atommülltransport der Welt". Mit 3000 Becquerel enthält der Zug eine zehn mal höhere Strahlung als bei dem Unfall 1986 in Tschernobyl frei wurden. "Das zeigt alles wie wenig demokratisch unser Land ist", erklärt Charlotte Mijeon von "Sortir du nucléaire".

Trotzdem vor sechs Jahren ein Aktivist beim Castor-Protest ums Leben kam, rechnet die Kampagnenleiterin in den nächsten Tagen dennoch mit vereinzelten "spektakulären Aktionen" von unabhängigen Gruppen, auch wenn sie hofft, dass gerade ungeübte Atomgegner "vorsichtig" sind. Einige französische Protestler wollen sich auch auf den Weg ins Wendland machen : Zwar arbeite man schon eng mit der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg zusammen – aber man könne noch viel für die Mobilisierung in Frankreich lernen.

https://www.klimaretter.info/protest/hintergrund/7239-immer-wenn-der-castor-rollt

Während auf deutscher Seite zehntausende Demonstranten den Castor-Transport erwarten, kämpfen die französischen Atomgegner um Aufmerksamkeit. Dabei hätten gerade die Franzosen genügend Gründe sich gegen die schleichende Kontaminierung ihres Landes zu wehren

Aus Paris Susanne Götze

Freitag um 14.20 soll der "Höllenzug" - wie ihn die französischen Atomgegner nennen - von Valognes in Richtung Gorleben starten. In den Städten Caen, Amiens, Arras, Metz und Strasbourg warten dann erste französische Protestler, um auf den Bahnhöfen friedlich zu demonstrieren : Man wolle Information verteilen, "Lärm machen" und "Reisende auf dem Gefahr aufmerksam zu machen" heißt es vom Seiten des Antiatomnetzwerkes "Sortir du nucléaire". Reichlich milde klingt das, denkt man an den angekündigten "Rekordprotest" in Deutschland.

Die französischen Protestler haben es schwer, denn im Nachbarland schweigt man das Thema Atommüll bis jetzt erfolgreich tot. "Wir verstehen uns in erster Linie als ‚Whistleblower’ – und wollen die Öffentlichkeit auf das Atomproblem aufmerksam machen", erklärt Kampagnenleiterin Charlotte Mijeon. Das ist in Frankreich auch dringend nötig. Denn der Castor ist bis dato nur in Lokalzeitungen und immerhin in einem Blog bei LeMonde-Online ein Thema – doch man muss schon danach suchen, um informiert zu werden.

"Sortir du nucléaire" hat versucht mit einem kleinen Zeichentrickfilm Aufklärung zu machen : Anschaulich wird beschrieben, wie der Zug von La Hague in Nordfrankreich ins Wendland rollt. Dort werden unzählige kleine weiße Männchen gezeigt, die sich auf die Gleise setzen und von der Polizei weggetragen werden. Man könnte fast denken, der Film wolle sagen : "Seht so macht man das ! Das Wendländische Volk lässt sich nicht für blöd verkaufen !".

(video) Dieses Video erreicht in Frankreich erreicht jedoch nicht viele Menschen. Der Castor ist dort kein Thema. Dass in Deutschland ein derartiges Aufsehen gemacht wird, entlockt dem einen oder anderen Franzosen höchstens ein müdes "Ja, das ist eben so deutsche Tradition". Im eigenen Land können sich nur sehr wenige vorstellen, gegen die Atomlobby zu demonstrieren, geschweigedenn sich an Gleise zu ketten. So ist der 2004 von einem Castor überrollte französische Antiatomaktivist Sebastien Briard in Deutschland mittlerweile ein Mythos. In seinem Namen verübte ein gleichnamiges Kommando deutscher Atomgegner nun sogar "Vergeltungsschläge" wie letzte Woche gegen die Berliner S-Bahn.

Dabei ist das Land weit mehr betroffen als Deutschland – und das nicht nur aufgrund seiner 58 Atomkraftwerke. In der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague wird Atommüll aus ganz Europa behandelt. Abgebrannte Brennstäbe werden hier teilweise recycelt – das heißt wiederverwertbare Reststoffe von Uran oder Plutonium werden abgetrennt – und der Rest für die Endlagerung verpackt. La Hague ist zudem wie auch Gorleben ein Atommülllager für französische Atomkraftbetreiber, dass keinen Endlagerstatus genießt – so wie alle Atommülllager in der EU.

Schon seit langem gibt es umfassende Beweise dafür, dass die Region um die Wiederverarbeitungsanlage mit Strahlung kontaminiert ist. Schon Ende der 90er Jahre nahm Greenpeace im Meer Boden- und Wasserproben an entsprechenden Ableitungsrohren der Anlage und stellte dabei fest, dass radioaktive Flüssigabfälle direkt ins Meer geleitet werden – und das legal, da nur das Entsorgen von Atommüllfässern verboten ist. Auch bei die Abluft der Anlage wurde eine immense Überschreitung der Grenzwerte nachgewiesen. Nicht erstaunlich ist also, dass französische Wissenschaftler schon vor über zehn Jahren eine erhöhte Blutkrebsrate bei Kindern und Jugendlichen in der Umgebung nachwiesen. Weitere Enthüllungen um das totgeschwiegene Thema machen 2009 die Journalisten Eric Guéret und Laure Noualhat in ihrem Dokumentarfilm "Albtraum Atommüll".

Im Video des Netzwerkes "Sortir du nucléaire" gibt es am Ende nur eine Lösung : Einfach aufhören diesen Müll zu produzieren – der Ausstieg aus der Atomkraft. Doch damit stehen die Aktivisten in Frankreich noch auf verlorenen Posten. Sie bekommen nicht einmal die Informationen, die ihnen nach dem Transparenzgesetz eigentlich zustehen : So versuchten die Aktivisten wochenlang von dem Betreiber der Anlage (Areva) und der staatlichen Sicherheitsbehörde ASN (l’Autorité de Sûreté Nucléaire) zu erfahren, wie viel Radioaktivität die elf Castorwagons eigentlich enthalten – jedoch ohne Erfolg. Erst über einen niedersächsischen Abgeordneten von den Grünen habe man die genauen Werte erfahren. Nun wissen Greenpeace und "Sortir du nucléaire" auch warum man sich taub stellte : Der 12. Castor ist der "radioaktivste Atommülltransport der Welt". Mit 3000 Becquerel enthält der Zug eine zehn mal höhere Strahlung als bei dem Unfall 1986 in Tschernobyl frei wurden. "Das zeigt alles wie wenig demokratisch unser Land ist", erklärt Charlotte Mijeon von "Sortir du nucléaire".

Trotzdem vor sechs Jahren ein Aktivist beim Castor-Protest ums Leben kam, rechnet die Kampagnenleiterin in den nächsten Tagen dennoch mit vereinzelten "spektakulären Aktionen" von unabhängigen Gruppen, auch wenn sie hofft, dass gerade ungeübte Atomgegner "vorsichtig" sind. Einige französische Protestler wollen sich auch auf den Weg ins Wendland machen : Zwar arbeite man schon eng mit der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg zusammen – aber man könne noch viel für die Mobilisierung in Frankreich lernen.

https://www.klimaretter.info/protest/hintergrund/7239-immer-wenn-der-castor-rollt



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